ABSTAUBENSCHALT

Hätte ich für diesen Blogpost als Überschrift das Wort „BCUHABSTNEASALT“ gewählt, hätte der ein oder andere Leser sicherlich sofort gewusst oder zumindest geahnt, worum es heute gehen soll:

Buchstabensalat!

Wie kommt es, dass sie teilweise so schwer zu lösen sind? Und manchmal wiederum nicht? Warum fällt es unserem Gehirn leichter, etwa „BCUHABSTNEASALT“ als „Buchstabensalat“ zu identifizieren, „ABSTAUBENSCHALT“ dagegen nicht?

Die meisten von euch werden keine Probleme haben, den folgenden Text zu lesen:

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Schon irgendwie faszinierend, dass unser Gehirn in der Lage ist, diesen eigentlich unlesbar geschriebenen Text zu entziffern.

Braucht man sich also folgerichtig eigentlich keine Gedanken mehr um Rechtschreibung zu machen und kann sich das lästige Korrekturlesen von Emails, Aufsätzen, Referaten und Hausarbeiten einfach sparen und in der Zeit einfach etwas spaßigeres machen? Unserem Gehirn scheint es ja „egal“ zu sein ?

Tatsächlich ist dieses Phänomen Thema zahlreicher Studien und Forschungen. Und es hat auch eine wissenschaftliche Bezeichnung: Wortkognition.

Die Wortkognition, also die Lesbarkeit eines Wortes, ist ein beliebtes Studienfeld für Sprachforscher auf der ganzen Welt.

Bereits im Jahr 1976 hat der Engländer Graham Rawlinson über dieses Thema eine Dissertation geschrieben.

Darin kam er zu folgendem Schluss: Soweit die Anfangs- und Endbuchstaben unvertauscht bleiben, beeinflusst eine falsche Reihenfolge von Buchstaben die Wortkognition nicht.

Daneben ist die Lesbarkeit eines Wortes allerdings auch von der Länge des Wortes und vom Vertauschungsgrad abhängig. So ist das Wort Bcuhstbaenrehenifloge noch relativ einfach zu lesen. Schwierig wird es dagegen bei Bbnsghhceeunftloiraee.

Was der Beispieltext allerdings verschweigt, ist, dass er nur funktionieren kann, weil es sich bei den Wörtern um bekannte und vor allem gebräuchliche Wörter handelt, die jeder von uns recht häufig liest. Unsere Lesekompetenz spielt bei dem Entziffern des Textes nämlich auch eine nicht ganz unwichtige Rolle. Das merkt man zum Beispiel an folgendem Text ganz gut:

Scythesthine naprinektol snid ksucütilh hgeetselltre telihcen, die gielzet mit nueen echiegsentfan und/oedr fnilinetotktuan aussettgatet snid, wie zum bipseiel ehestirklce lithegikäefit, cichsmehe ritekäkitvat.*

Mit steigender Lesekompetenz haben wir gelernt, Buchstaben nicht mehr wie ein Grundschüler von Buchstabe zu Buchstabe zu lesen, sondern das Wort als Ganzes wahrzunehmen. Mit anderen Worten: Geübte Leser erinnern sich an die Wörter mit ihren dazugehörigen Buchstaben. Sie lesen im Grunde nicht, sondern setzen bereits erlernte Wörter wieder sinnvoll zusammen- das Gehirn „errät“ das richtige Wort. Man könnte sogar sagen, dass es sich bei dem Phänomen um eine Form von Pareidolie bzw. Apophänie- die Tendenz des menschlichen Gehirns, vertraute Dinge (in diesem Fall bekannte Worte) in zufällig Angeordnetem zu erkennen, obwohl sie tatsächlich gar nicht vorhanden sind. Der Leser erwartet ein bekanntes Wort und erkennt es dadurch auch in einer ähnlichen Anordnung.

Zu den bekannten Worten müssen noch typische Satzstrukturen, Satzzeichen und die Grammatik dazukommen. Dann wird ein Buchstaben-Salat-Text leserlich.

Wir halten also fest, dass das oben gezeigt Beispiel leider nicht als Beweis dafür herhalten

kann, dass Rechtschreibung überflüssig ist. Es ist vielmehr ein Beleg für die Fähigkeit des Gehirnes, sich oft Wiederholtes gut einprägen zu können.

Wer schon mal Vokabeln lernen musste, kann das bestätigen.

P.S.: Tippfehler in Dokumenten sind daher auch kein Zeichen für eine Rechtschreibschwäche des Autors: Je geübter der Schreiber im Lesen ist, desto eher wird er die eigenen Tippfehler übersehen.

 

* Synthetische Nanopartikel sind künstlich hergestellte Teilchen, die gezielt mit neuen Eigenschaften und/oder Funktionalitäten ausgestattet sind, wie z. B. elektrische Leitfähigkeit, chemische Reaktivität. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nanoteilchen)

 

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