Lesen fördert Empathie

Lesen bildet nicht nur und bringt generell viele Vorteile für die grauen Zellen. Einer neuen Studie zufolge verbessern es auch die empathischen Fähigkeiten, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen.

Für ihre Studie haben die beiden Wissenschaftler David Comer Kidd und Emanuele Castano von der New School for Social Research in New York insgesamt fünf verschiedene Experimente durchgeführt. Hierbei teilten sie knapp 700 Freiwillige jeweils in zwei Gruppen. Die eine Gruppe las während des Versuchszeitraums Passagen aus Romanen, darunter „Ein Chamäleon“ von Anton Chekhov, während die andere Gruppe Auszüge aus Sachbüchern oder Texte aus Magazinen zu lesen bekam, unter anderem „Wie die Kartoffel die Welt veränderte“ von Charles C. Mann.

Im Anschluss mussten die Probanden verschiedene Übungen absolvieren, bei denen ihre Empathie gefragt war. So mussten die Versuchspersonen zum Beispiel auf Schwarzweiß-Fotografien die Augenpartien von Schauspielern ansehen und deren Gefühlslage deuten. Außerdem wurde untersucht, wie gut jemand die Gedanken und Vorstellungen eines anderen lesen kann.

Das Ergebnis: Die Literaturgruppe schnitt deutlich besser ab, wenn es darum ging, die Lage, die Gefühle und Bedürfnisse, Ideen, Absichten, Erwartungen und Meinungen ihres Gegenübers zu interpretieren Und zwar unabhängig von Alter, Bildung oder Geschlecht der Probanden.
Als mögliche Erklärung für dieses Ergebnis führen die Wissenschaftler an, dass anspruchsvolle Literatur im Gegensatz zur Unterhaltungsliteratur weniger auf den Plot konzentriert sei als auf die Psychologie der Charaktere. Beim Lesen von preisgekrönter Literatur werden wir in eine aktivere Rolle gezwungen. Wir müssen selbstständig interpretieren, da die Beschreibung der Charaktere gewollt unvollständig gelassen werde, um Raum für eigene Gedanken zu bieten. Bei Populärliteratur hingegen wird dem Leser oftmals das komplette Innenleben des Helden auf einem Silbertablett serviert.

“Belletristik vergrößert unser Verständnis für das Leben der anderen”, schreiben die Forscher, “und hilft uns dabei, Gemeinsamkeiten zu erkennen.”

 

Quelle:
David Comer Kidd und Emanuele Castano (2013). Reading Literary Fiction Improves Theory of Mind. Science Express

[Foto: Feelart / freedigitalphotos.net]

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